Udo Siebert

10 Teilnahmen für Udo Siebert aus Berlin  
 
Er schreibt in seinem Erlebnisbericht, dass der Powerman sein Leben stark beeinflusst habe: „Er hat den Rythmus des Jahres bestimmt, in den trainingsintensiven Monaten auch den Wochen-und Tagesrhythmus.“

Auch seine Gedanken und Gespräche mit Kollegen kreisten täglich um dieses Rennen. In seinem Dank schliesst er vor allem seine Familie ein, ohne deren Unterstützung die Fokussierung auf den Powerman gar nicht möglich gewesen wäre.

Siebert erfuhr aus einer Triathlon-Fachzeitschrift vom Duathlon-Mekka Zofingen. Mit einigen Kollegen gründete er eine Trainingsgemeinschaft, mit dem Ziel, „den längsten und härtesten Duathlon“, bei dem der OK-Präsident alle Finisher hinter der lang ersehnten Ziellinie mit offenen Armen empfängt, erfolgreich zu beenden.

Da Berlin zum Basisradtraining recht eingeschränkte Möglichkeiten bietet, mussten Trainingslager im Frühjahr in wärmeren Gefilden absolviert werden. Bei seiner ersten Teilnahme widerfuhr ihm folgendes wundersame Erlebnis im dritten Aufstieg zum Bodenberg: „Hinter mir quälte sich ein anderer Teilnehmer den Anstieg herauf, hielt aber sofort neben mir an und als er meine Krämpfe bemerkte, kramte er hastig eine "Pille" aus seiner Trikottasche. Es musste ein "Zaubermittel" oder doch nur ein Magnesiumkonzentrat gewesen sein, denn nach wenigen Sekunden und ein paar staksigen und schmerzhaften Metern konnte ich mein Rad wenigstens das letzte Stück den Bodenberg hochschieben. Oben angekommen konnte ich auf mein Rad klettern um dann fast krampffrei weiterzufahren. Dies hatte ich noch ein paar Minuten vorher für unmöglich gehalten.“

Umwerfend dann der Zieleinlauf: "als ich dann das immer noch dicht mit begeisterten Zuschauern gefüllte Stadion sah, kamen mir Freudentränen und eine riesige Gänsehaut. Die kleinen Gassen vor dem Stadion waren gesäumt von Menschen, die mir zujubelten und mir die Hand zum "Abklatschen" entgegenstreckten. Sie riefen auch meinen Namen, den sie anhand der Startliste und Startnummer blitzschnell herausfanden. Riesige Kuhglocken wurden geschwenkt wie bereits zuvor an einigen markanten Stellen der Radstrecke. So einen Zieleinlauf hatte ich noch nicht gehabt! Die Zuschauer feierten mich wie einen Sieger, ja sie begrüssten stundenlang jeden Finisher auf diese Weise. Ich liess mich nicht lange bitten, im Überschwang der Gefühle legte ich einen Endspurt voller "Jubelgesten" hin und bedankte mich ausführlich."

Schnell wurde er ein Angefressener und stellte sich alle Jahre wieder der grossen Herausforderung.

Bleibende Erinnerungen vermochte vor allem das Wetter zu setzen: Schneeregen 1995 im Mai und jegliche funktionelle Bekleidung an der Expo ausverkauft, ein Jahr später wärmte er sich an einem Feuer, das die Helfer mitten im Wald errichtet hatten und schwor sich : „nie wieder“, stand aber schon ein Jahr später wieder da, er war der Droge Powerman verfallen. 1999 goss es wie aus Kübeln, über dem Powerman schien ein Fluch zu liegen: „Wir nannten ihn mittlerweile den "Showerman", konnten aber kaum darüber lachen.“

Über die Jahre hinweg bildeten sich Freundschaften mit den Zofinger Gasteltern.

Es gab wie so oft viele Erlebnisse unterwegs, vor allem am Anstieg zum Bodenberg traf ich immer wieder dieselben leidenden Gesichter. Siebert lobt die herrschende Solidarität unter den Wettkämpfern: „Man motiviert sich gegenseitig, hilft mit Getränken aus oder blickt neidisch auf einen, der noch einen "Rettungsring" kleiner schalten konnte.„

Er hat auch mental einige Techniken ausprobiert, um über die Runden zu kommen: „genau diese kleinen Geschichten sind es, die an einem solchen Tag helfen, den inneren Schweinehund zu überwinden. Ich teile mir die 150 km immer in kleinere Stücke ein. In drei oder manchmal, wenn es besonders hart ist auch in viel kleinere z.B. von Anstieg zu Anstieg. So kann man die Psyche ein wenig überlisten und kommendes einfacher verarbeiten. Es ist halt regelmässig die Radstrecke beim Powerman, deren Bewältigung mir vor allem bei schlechten Witterungsverhältnissen einiges abverlangt.“

Als Höhepunkt durfte er letztes Jahr die Ehrung als 10-fach-Finisher erleben und sagt dazu: „Stefan Ruf steckte mir den goldenen Ehrenpin an. In der Aufregung, dem grellen Licht von Scheinwerfern und Kameras, sowie dem lauten Applaus der vielen Anwesenden im Festsaal, habe ich den "Blumenmädchen" die Dankesküsse verwehrt - tut mir wirklich leid, hole ich nach...

"Nun fragen sich viele, die mich während der langen Powermanjahre begleitet haben: Macht er weiter? Nun, ich will es gern beantworten: Das frage ich mich im Moment selbst!“