„Sponser oder Tee?“ - Die Schlüsselfrage

... Mai 1997, morgens um 6.50 in Zofingen auf dem mittlerweile blind zu findenden Parkplatz direkt neben der Kirche…Der Morgen ist noch jung, die Nerven schon blank, die Erwartungen gross. Was wird dieser Tag wohl bringen? Viele Strapazen, Augenblicke der Freude und Momente, den Tränen nah. Ein flaues Gefühl macht sich in der Magengegend breit. Strömender Regen trägt dämpft Motivation, diesen Tag mit Turnschuhen und meinem „Drahtesel“ zu verbringen.

Namhafte Grössen des Duathlonsportes sind am Start (Oliver Bernhard, Natascha Badmann, Karin Thürig,…). Ein unglaublicher Spirit in der Wechselzone, eine Stadt, die seinen Charme weit über die Stadtgrenze ausstrahlt.  Dass Zofingen zu meinem persönlichen Sportmekka wird und eine besondere Bedeutung in der Trainingsplanung bekommt, hätte ich wohl nie gedacht.

Der Startschuss fällt, hunderte von Topathleten nehmen die stark coupierte Laufstrecke unter die Füsse. Das Tempo ist hoch, der Rhythmus lebendig. Und immer wieder kreist die Frage in meinem Kopf, wie diese berühmt berüchtigte Velostrecke über den Bodenberg zu bewältigen ist. Die Temperaturen sinken, die Motivation, meine Familie auf dem Bodenberg zu sehen, steigt. Ohne sie wäre dieser Wettkampf wohl doppelt so hart.

Von weitem höre ich die Stimme meiner Frau: „Sponsor oder Tee?“ …die Schlüsselfrage. „Sponsor!“ rufe ich zurück. Beim erst ersehnten Schluck Energie nach wenigen Metern sagt mir meine Zunge; Sponsor weit gefehlt, es ist Tee. Innerlich lächelnd nehme ich diese Tatsache hin. Die Betreuung müssen wir aufs nächste Jahr wohl noch etwas tunen.
Nächstes Jahr?? Nicht schlecht, was einem in einer zweiten Runde Bodenberg so alles in den Sinn kommt…

Zurück in Zofingen Downtown. Ein Wechsel, den ich wohl nie vergessen werde – nach 150km auf dem „Drahtesel umegrigge“ mit klammen Fingern die Turnschuhe an die Füsse zu schnallen. Tonnenschwere Beine trage ich aus der Wechselzone. Noch 30km zu laufen, ein Ding der Unmöglichkeit?! Nein! Die meist entscheidende Disziplin kommt jetzt. Genug Power für das Hirn ist gefragt. Mein Kopf ist von positiven Erlebnissen durchflutet und der Spirit in mir, der Applaus der Zuschauer, die sicherlich schon bald die Hände abgefroren haben, lassen mich einen Fuss vor den anderen setzen. Ja, der Kopf ist entscheidend.

Die letzten Meter vor dem Ziel sind die wohl erfülltesten Emotionen vom ganzen Tag. Die Ziellinie nähert sich, deine Beine spürst du nicht mehr, du wirst getragen vom Publikum, von überglücklichen Gefühlen. Den Tränen nah.

Trotz Dauerregen, eisiger Kälte und Gefühlskapriolen, diesen Powerman Zofingen wollte ich noch einmal erleben. So kam es, dass ich im Jahr 2009 das 12. Mal im Duathlon Mekka über die Ziellinie gelaufen bin. Davon durfte ich 10 mal aufs Podest klettern. An dieser Stelle danke ich all den Helfern und dem gesamten Organisationskomite, die jedes Jahr mit einer einmalig stimmungsvollen Rangverkündigung den Powerman würdevoll abrunden.

Zofingen, die Stadt des Duathlon. Erinnerungen, die mir ein Leben lang präsent sein werden; der Munihubel, Schnee auf dem Bodenberg, meine Familie vor dem wärmenden Feuer, die abgeänderte Velostrecke im Jahr 2006, der röhrende Hirsch auf dem Heiteren, meine Tochter und mein Sohn allein mit ihren Velos unterwegs vom Bodenberg zur Laufstrecke (beide damals unter 18 Jahre), der Zieleinlauf zur absolut besten Musik von DJ Özi mit „Anton aus Tirol“. Zum Glück nur einmalig, die heisse Bouillon nach dem Zieleinlauf, der verrostete Velofahrer an der Velostrecke, der jedes Jahr auch mit von der Partie war… ja, die Erinnerungen aus Zofingen prägen noch immer mein „Hirnfutter“ im Trainingsalltag.
Ob ich nächstes Jahr wieder auf dem traditionellen Parkplatz neben der Kirche Zofingen parkieren werde und den Regenschirm aufspanne, bleibt noch in den Sternen geschrieben. Sofern ich gesund bleibe, liegt vielleicht die vorgedruckte Startnummer (für alle 10+ Finisher) für das Jahr 2010 bereits schon im Anmeldebüro für mich bereit.