Olivier Bernhard ist wohl der erfolgreichste Schweizer Duathlet und Triathlet dieses Jahrtausends. Dreimal gewann der 41-jährige Ostschweizer den Ironman Switzerland in Zürich und sogar achtmal den Powerman Zofingen, der als offizielle Duathlon-Weltmeisterschaft über die Langdistanz gilt. Im Oktober 2005 beendete Bernhard seine Karriere. Nun kommt er am 6. September nach Zofingen zurück.
Olivier Bernhard, was bedeutet der Powerman Zofingen für Sie?
Ein Kribbeln im Bauch, wenn ich an all’ die schönen Stunden meiner Sportkarriere denke, welche ich dank dem Powerman Zofingen erleben durfte, aber auch, dass der Powerman immer ein sehr hartes und hart umkämpftes Rennen war.
Sie haben in Zofingen achtmal gewonnen. Welcher Sieg war der schönste?
Mit Bestimmtheit der allererste im Jahr 1998. Der Sieg kam völlig unterwartet und so spielerisch inmitten eines internationalen Topfeldes.
Sie haben ja im Oktober 2005 Ihre Triathlon- und Duathlon-Karriere wegen Achillessehnen-Beschwerden beendet. Wie geht es den Achillessehnen heute? Betreiben Sie noch Sport?
Die Sportkarriere habe ich zugunsten meiner Familie und aufgrund meines Alters sowie meiner zweiten beruflichen Herausforderung beendet. Die Achillessehne hat mir bei den allerletzten Wettkämpfen noch einen leichten Strich durch die Rechnung gemacht, hat sich aber nach der Beendigung meiner Karriere sehr rasch erholt. Ich laufe und fahre immer noch liebend gerne Rad. Das Schwimmen betreibe ich am liebsten zusammen mit meinen Kindern im See.

Olivier Bernhard, hier am diesjährigen Ironman in Zürich, freut sich auf seinen Auftritt am 6. September beim Powerman Zofingen.
Sie kommen ja am 6. September nach Zofingen und verteilen die Medaillen an die Besten. Reizt es Sie nicht ein wenig, wieder selbst mitzumachen?
Eigentlich ist mir sehr wohl in meiner Haut als Zuschauer, denn ich weiss, dass mein sportlicher Erfolg nur mit dem entgegengebrachten Verständnis und der steten Unterstützung meiner Ehefrau möglich war. Meinerseits habe ich viel Disziplin und Verzicht aufbringen müssen, um meine Siege zu erreichen. Wenn man jünger ist, ist dies alles viel einfacher.
Sie bieten ja seit 2002 Coachings für Athleten an. Läuft dieses Geschäft gut?
Ich gebe meine Erfahrungen aus der langen Spitzensportkarriere mit gleicher Passion weiter, wie ich selber den Sport betrieben habe. Und es macht ungemein viel Spass, zu sehen, dass meine Trainingsphilosophie nicht nur für mich stimmt, sondern auch bei vielen anderen Athleten zum Erfolg und zur Erfüllung führt. Das Geschäft läuft so gut, dass ich seit gut zwei Jahren zwei Mitarbeiter eingestellt habe.
Was sind die Kernpunkte Ihrer Firma "olivierbernhard - top performance coaching"?
Wir haben drei Geschäftsfelder. Zum einten das Athletencoaching. Hier betreuen wir die 14-jährige Nachwuchsathletin über den Manager bis hin zum Profi - Athleten, mit ganz unterschiedlichen Anforderungen. Die Trainingseffizienz, der Spass an der Bewegung und die ganzheitliche Beratung stehen im Athletencoaching im Vordergrund. Im zweiten Geschäftsfeld betreuen wir Unternehmen. Ich referiere und gebe Seminare über Motivation und die Wichtigkeit der Integration der Bewegung in einen anforderungsreichen Geschäftsalltag. Gleichzeitig zeige ich den Unternehmungen durchsetzbare Lösungen auf. Im dritten Geschäftsfeld bieten wir zusammen mit starken Partnern Seminare im Bereich der Ernährung, Krafttraining, Trainingssteuerung und vor allem auch Trainingslager an.
Was hat sich im Duathlonsport seit Ihrem Rücktritt verändert?
Die Leistungen und die Leistungsdichte in allen Kategorien haben sich verbessert. Ich denke auch, dass der Duathlon aus seinem Zwischentief gefunden hat und wieder auf dem guten Weg der Erholung ist.
Wer gewinnt heuer in Zofingen über die Langdistanz?
Ich bestimmt nicht!
Wenn man achtmal gewonnen hat beim Powerman Zofingen muss man sich doch in der Thutstadt fast ein wenig wie zu Hause fühlen oder?
Die Thutstadt Zofingen ist mir in der Tat sehr ans Herz gewachsen. Wenn immer ich auf der Achse zwischen Zürich und Bern an der Autobahnausfahrt «Zofingen» vorbei fahre, beschleunigt sich mein Puls und eine innere Zufriedenheit kommt auf.
Könnten Sie dem OK des Powerman Zofingen noch Tipps/Anregungen geben in irgendeiner Art?
Das OK hat schon immer sehr gute Arbeit geleistet in Zofingen. Mir liegt als Vater von drei Kindern immer sehr viel daran, die Kinder in die Bewegung und Wettkämpfe mit einzubeziehen. Der Powerman Zofingen bietet den kleinen Athletinnen und Athleten schon einen guten Rahmen. Ich bin der Meinung, dass dieser noch verstärkt ausgespielt werden sollte. Denn die kleinen Powermänner von heute sind die grossen Powermänner von morgen!
Interview: Raphael Galliker