«Ich will das Tier erneut bezwingen»

Erika Csomor, die sechsfache Seriensiegerin beim Powerman Zofingen - Erika Csomor ist beim Powerman Zofingen über die Duathlon-Langdistanz bei den Frauen seit sechs Jahren ungeschlagen. Die 36-jährige Ungarin weilt unmittelbar vor der WM drei Wochen lang im Höhentrainingslager in Davos. Am 5. September versucht sie so nahe wie möglich an den Streckenrekord von Karin Thürig aus dem Jahre 2002 heranzukommen. - Raphael Galliker

Erika Csomor geht beim Powerman Zofingen bereits zum elften Mal an den Start. «Bei meinem Debüt in Zofingen bestritt ich auch gleich meinen ersten Langdistanz-Duathlon», so die 36-jährige Ungarin. «Auf der dritten Velorunde wollte ich auf dem Bodenberg mein Velo einfach nur noch in den Graben schmeissen und aufgeben, weil es stark regnete und ich auf den Felgen war.» Dass Csomor eine Kämpferin ist, bewies sie mit ihrem Durchhaltewillen, der sie in jenem Rennen noch auf den 4. Platz brachte. «Der Powerman Zofingen war mir schon lange vor meinem Debüt als Legende bekannt», sagt Csomor. «Mir wurde gesagt, dass das Rennen wie ein Tier sei, das es zu bezwingen gelte.» Nur gerade einmal kam sie nicht ins Ziel. «Das war 2002, als ich schon vor dem Rennen krank war und dann völlig enttäuscht aufgeben musste.» Highlights gab es für Csomor in Zofingen dafür gleich mehrere. So im Jahre 2004 bei ihrem ersten Triumph in der Thutstadt. «Das war mein schönster der bisher sechs Erfolge», so die Budapesterin. Es sei doch auch beim Duathlon so: «Das erste Mal ist immer das Schönste. Generell ist Siegen etwas Tolles, das so gut wie nichts anderes schmeckt.»


Die Ungarin Erika Csomor will am 5. September in Zofingen
ihren siebten Sieg in Serie feiern können. Foto: Kirsten Stenzel

Streckenrekord im Auge

Von ihren zuletzt sechs Siegen in Serie hebt Csomor auch jenen von 2007 speziell heraus. «Da kam ich in der Zeit von 7:06:38 bis auf 150 Sekunden an die fabelhafte Rekordmarke von Karin Thürig aus dem Jahre 2002 heran.» Die Ungarin möchte diese Traumzeit liebend gerne unterbieten. «Dazu müssten die Wetterbedingungen aber optimal sein, es müsste viele starke Gegnerinnen am Start haben und meine Beine müssten grossartig in Form sein.» Csomor zeigt ihren Jagdinstinkt: «Wenn ich nahe an der Rekordzeit wäre, würde ich am Schluss alles geben um sie zu knacken.» Klar wolle sie den Powerman Zofingen am 5. September zum siebten Mal in Folge gewinnen. «Doch gerade bei einem solch harten Langdistanz-Rennen kann man diesbezüglich gar nie zuversichtlich sein», so Csomor, der es nicht etwa an Selbstvertrauen mangelt. «Ich weiss, dass mir ein paar Athletinnen sehr gefährlich werden könnten, wenn sie plötzlich in Zofingen an der Startlinie auftauchen würden.» Jedes Rennen sei wie ein Buch, das man von der ersten Seite an lesen müsse.

Spezielle Taktik

«Auf den ersten 10 Kilometern lasse ich die anderen Athletinnen die Arbeit verrichten», verrät Csomor einen Teil ihres Erfolgsrezeptes. «Danach gebe ich auf dem Bike so sehr Gas, dass alle ans Limit geraten, mich inbegriffen.» Oftmals habe dies grosse Schmerzen auf der zweiten Laufstrecke zur Folge. «Ich und diese Schmerzen sind aber alte Freunde, die einander sehr gut kennen und miteinander bestens auskommen.» Um für den Powerman Zofingen dieses Jahr noch spritziger als in früheren Jahren zu sein, hat Csomor im Sommer praktisch auf jegliche Reiseaktivitäten verzichtet. «Ich hatte die Schnauze voll vom ewigen Herumreisen und wollte ganz einfach einmal einen geordneten Lebensalltag zu Hause haben.» Die Ungarin bestritt in ihrer Heimat viele kleinere Rennen und genoss dabei die aufmunternde Unterstützung ihrer Landsleute am Strassenrand. «Ich darf sagen, dass ich für Zofingen parat bin», so Csomor, die anfangs August jedoch einen kleinen Velounfall hatte und sogar kurz das Spital aufsuchen musste. Die Ungarin gibt aber gleich wieder Entwarnung. «Ich gehe bald ins dreiwöchige Höhen-Trainingslager nach Davos und komme dann mit unzähligen Bergkilometern in den Beinen direkt runter nach Zofingen an die Duathlon-WM.» Wer beim Powerman Zofingen dabei sein will, muss sich sputen, denn der offizielle Anmeldeschluss ist am 10. August.