Geschichte des Powerman

Powerman Langdistanz-Weltmeisterschaften in Zofingen

Ein Event mit einmaliger Ausstrahlung auf die ganze Welt

von Raphael Galliker

Der Powerman Zofingen an sich ist bereits eine lebende Legende. Der berühmteste und härteste Duathlon der Welt wurde anno 1989 ins Leben gerufen und geniesst Kult-Status. Was der Ironman Hawaii für die Triathleten ist, ist der Powerman Zofingen für die Duathleten. Ziel einer jeden Duathletin und eines Duathleten ist es, einmal im Leben die 10 Lauf-, 150 Rad- und nochmals 30 Lauf-Kilometer in der Thutstadt zu bewältigen.

Ins Leben gerufen wurde der Powerman Zofingen anno 1988 von Bruno Imfeld und Urs Linsi. Letzterer, ein junger aufstrebender Zürcher Bankdirektor, wurde damals nach Zofingen in die Provinz abdelegiert, um die dortige SKA-Niederlassung auf Vordermann zu bringen. Am 15. Dezember 1988 leitete Linsi im Zofinger Restaurant Raben die erste Sitzung des Organisationskomitees «Zofinger Run&Bike». Am 4. Juni 1989 war es dann soweit: Am Sonntagmorgen fiel der erste Startschuss zum damals noch als Biathlon bezeichneten Rennen. Die 2,5 Lauf-, 120 Rad- und 30,5 Laufkilometer faszinierten gleich von Beginn weg die ganze Sportwelt. Als erste Sieger liessen sich die Bielerin Hermine Haas und der Deutsche Dr. Andreas Rudolph feiern. Heute ist Rudolph in Zofingen jeweils als Hauptspeaker des Powerman tätig. Die dazumal noch in Winznau wohnhafte Natascha Badmann holte sich bei ihrem ersten Wettkampf überhaupt Platz 6! Die am 6. Dezember 1966 in Basel geborene Badmann war mit 17 Jahren Mutter geworden (Tochter Anastasia), arbeitete als Sekretärin und war übergewichtig. Der Wendepunkt in ihrem Leben kam 1989, als sie den ehemaligen Schweizer Triathlon-Nationaltrainer Toni Hasler traf. Der Oftringer wurde in der Folge ihr Lebenspartner und Trainer.

Zwei Rennen in einem Jahr

Anno 1990 kam Zofingen in den Genuss gleich zweier Kräftevergleiche. Im Frühjahr ging das «Zofinger Run&Bike» über die Bühne. Dies mit der auf 150 Kilometer verlängerten Radstrecke. Als Sieger wurden der Amerikaner Kenny Souza und die Österreicherin Silvia Nussbaum ausgerufen. Die EM über die Kurzdistanz (50 km/30 km/5 km) in Zofingen war im Herbst ganz in Schweizer Hand: Natascha Badmann und Olivier Bernhard konnten dabei triumphieren.

Die Queen of Kona

Im Jahre 1991 führte die Radstrecke erstmals über den berühmt-berüchtigten Bodenberg. Die Amerikaner gaben den Ton an: Bei den Männern siegte Scott Molina, bei den Frauen die Weltsportlerin des Jahres, Paula Newby-Fraser. Die 49-jährige Amerikanerin stammt ursprünglich aus Simbabwe und gewann den Ironman Hawaii bisher achtmal, was bisher niemand anders schaffte. Die Queen of Kona entschied bisher (Stand April 2010) 24 Ironman-Rennen zu ihren Gunsten und hielt 14 Jahre lang die Weltbestzeit über die Ironman-Distanz (8:50:53, aufgestellt 1994 beim Ironman Europe in Roth). Erst am 13. Juli 2008 verlor Newby-Fraser diese Bestmarke an die in Österreich lebende Holländerin Yvonne van Vlerken (8:45:48) in Roth und an die Deutsche Sandra Wallenhorst (8:47:25) beim Ironman Austria in Klagenfurt. Beim Ironman Hawaii hält Newby-Fraser seit 1992 die beste Gesamtzeit (8:55:28) und seit 1993 immer noch die schnellste Radzeit (4:48:30) auf der Vulkaninsel.
 

PowerWoman, PowerMan

1992 gab es in Zofingen eine Namensänderung: Bei den Frauen hiess der Event nun PowerWoman, bei den Männern PowerMan. Erstmals war mit Mark Allen der berühmteste Triathlet aller Zeiten am Start. Der Amerikaner wurde aber nur Vierter. Auf dem Podest standen der Deutsche Jürgen Zäck (1.), der Amerikaner Kenny Souza (2.) und die Schweizer Radquer-Legende Albert Zweifel (3.). Bei den Frauen siegte die Neuseeländerin Erin Baker. 1993 übertraf das Zofinger Preisgeld mit total 200'000 US-Dollar jenes des Ironman Hawaii. Grund genug für Allen diesmal richtig Gas zu geben, zu gewinnen und um 40'000 Dollar reicher nach Hause zu fliegen. Fortan liess sich der Amerikaner auf Zofingen angesprochen stets entlocken: «Der Powerman Zofingen ist das beste Rennen auf der ganzen Welt!»

King Oli schlägt zu

1994 starteten die Frauen erstmals vor den Männern. Dies mit einem mathematisch genau berechneten Vorsprung. Es gab also fortan eine Overall-Siegerin oder eben einen -Sieger. Zwischenzeitlich wurde diese Handicapregel aber wieder gestrichen und anno 2004 dann definitiv ins Programm aufgenommen. 1994 ging der Stern des Olivier Bernhard entgültig auf. Der Ostschweizer startete als 26-Jähriger erstmals und gewann den Powerman Zofingen auch gleich auf Anhieb. Danach sollte er in der Thutstadt noch sieben weitere Male zuoberst aufs Podest klettern. Heute amtiert Bernhard beim Zofinger Powerman als Gratulant im Zielraum und übergibt den besten Athletinnen und Athleten die Medaillen. Bei den Frauen war 1994 Erin Baker erneut die schnellste. Die Neuseeländerin verlor auf Bernhard aber über 47 Minuten.

Die Schweizer Erfolgsserie

Am 14. Mai 1995 musste Olivier Bernhard nach einem Plattfuss im Schnee aufgeben. Die Lorbeeren erntete mit Urs Dellsperger dafür ein anderer Schweizer. Dellsperger arbeitet heute bei der Firma Biketec AG in Huttwil und ist beim Powerman Zofingen jedes Jahr als deren Repräsentant vor Ort. Bis und mit 2004 sollte es bei den Männern in der Folge dank Bernhard, Dellsperger und Stefan Riesen stets eidgenössische Triumphe geben! 1996 und 1997 stiegen sogar nur Schweizer aufs Podest. Dies schafften übrigens auch die Schweizerinnen zweimal, nämlich 1989 und 2000. Dank den zusätzlichen Siegen von Natascha Badmann in den Jahren 1996, 1997 und 2000 wurde die Schweiz zur dominierenden Duathlon-Nation auf der Welt. In den Jahren 2001 und 2002 trat die Luzernerin Karin Thürig in die Fussstapfen von Natascha Badmann, die bis heute sechs Ironman-Erfolge (1998, 2000, 2001, 2002, 2004 und 2005) in Hawaii einheimste.

Viele Führungswechsel

1997 gingen die Gründer Urs Linsi und Bruno Imfeld eine Kooperation mit der ITU (International Triathlon Union) ein, die drei Jahre lang hielt und dem Anlass in Zofingen die bisher höchsten Teilnehmerzahlen bescherte. 1998 übergab das Gründer-Duo die Geschicke des OK in die Hände von Rainer Huber, der später Aargauer Regierungsrat wurde. Nach einem Jahr Unterbruch übernimmt das Duo Linsi/Imfeld 1999 das Ruder erneut um es nach dem Anlass überraschend wieder abzugeben. Diesmal an den Einheimischen Hans-Peter Fretz, dem bisherigen Finanzchef. Dass 1999 vom finanziellen Aspekt her das beste Jahr der Powerman-Geschichte war, ging dabei fast unter. Urs Linsi sorgt seit anfangs 2010 wieder für Sport-Schlagzeilen, indem er den defizitären Grasshoppers Club Zürich sowohl neben als auch auf dem Fussballplatz wieder flott macht.

Olympia als Dämpfer

Im Jahre 2000 wurde die Sportart Triathlon erstmals olympisch. Dies wurde für den Powerman Zofingen zuerst nicht als negativ angeschaut, doch immer mehr Ausdauersportlerinnen und –sportler konzentrierten sich in der Folge auf den lukrativeren Triathlonsport. Ein kontinuierlicher Teilnehmerschwund war die Folge davon. Im Jahre 2002 wurde der Zofinger Event vom Mai in den September verlegt. Zudem wurde der erste Lauf von 5 auf 10 Kilometer verlängert und der zweite Lauf führte fortan zweimal zum neuen Wendepunkt auf dem Heitere-Platz. Olivier Bernhard (6:25:37) und Karin Thürig (7:04:08) stellten dabei Schweizer Erfolge sicher.

Karin Thürig, das Multitalent

Die am 4. Juli 1972 in Rothenburg geborene Karin Thürig war früher beim BTV Luzern NLB-Volleyballerin, liess sich zur Aerobic- und Fitnessinstruktorin ausbilden und wurde erst im Alter von 25 Jahren Duathletin. Da der Duathlonsport nicht olympisch wurde, sattelte sie danach aufs Rad um. 2002 wurde sie im Strassen-Zeitfahren WM-Dritte. 2004 holte sich in Athen im Strassen-Einzelzeitfahren Olympia-Bronze. 2008 in Peking wiederholte sie diesen Coup. Dazwischen wurde die Luzernerin 2004 in Verona und 2005 in Madrid Weltmeisterin im Zeitfahren. 2004 gab es zudem bei der Bahnrad-WM in Los Angeles in der Disziplin 3'000 Meter Einzelverfolgung Bronze. Nach zwei Jahren Konzentration auf den Radsport gab Thürig im September 2009 ihren Rücktritt im Radsport bekannt und gab im Triathlon ein Comeback. Lässt es die Saisonplanung zu, geht Karin Thürig im September 2010 in Zofingen an den Start.

Der Ruf nach Stefan Ruf

Im Jahre 2003 konnte Stefan Ruf den Powerman vor einem zwischenzeitlichen Aus gerade noch retten. Der einheimische Bankexperte, zuvor zehn Jahre lang Präsident des Tri Club Zofingen, vermochte die personellen Engpässe zu beheben und hauchte dem Powerman Zofingen mit einem Kraftakt neues Leben ein. In nur gerade drei Monaten wurde ein neuer Vorstand auf die Beine gestellt und die notwendigen Finanzen beschaffen. Die Athletinnen und Athleten bedankten sich bei Ruf in der Folge mit einem ultraspannenden Rennen. Der mehrfache belgische Duathlon-Weltmeister Benny Vansteelant verlor im Endkampf gegen den Schweizer Stefan Riesen seine fünfjährige Ungeschlagenheit. Bei den Frauen besiegte die Neuseeländerin Fiona Docherty die Ungarin Erika Csomor. Diese Niederlage hatte für Csomor auch etwas Positives. Es sollte zumindest bis und mit 2010 in Zofingen die letzte sein. Die Ungarin gewann seither siebenmal in Serie!

Das Gladiatoren-Duell

Im Jahre 2004 gelang es OK-Präsident Stefan Ruf, ein Gladiatoren-Duell zu präsentieren. Der bis zu diesem Zeitpunkt siebenfache Zofingen-Sieger Olivier Bernhard trat gegen den siebenfachen ITU-Weltmeister Benny Vansteelant an. Der Belgier, der am Tag vor der Abfahrt nach Zofingen beim Radtraining mit einem Hund kollidiert war, musste nach zwei von drei Radrunden jedoch aufgeben. Bernhard liess sich am Schluss in der Thutstadt zum achten Mal als Sieger feiern und hat seither den Übernamen «King of Zofingen».

Der tragische Held

Das Jahr 2005 stand ganz im Zeichen der belgischen Invasion. Mehrere Dutzend Belgier folgten ihrem Idol Benny Vansteelant nach Zofingen und eiferten im Rennen dem Duathlon-König nach. Belgien stellte nach der Schweiz und Deutschland das drittgrösste Kontingent und bei den Männern mit Benny Vansteelant den souveränen Sieger. Ein Jahr danach wiederholte der Belgier seinen Triumph. Dies allerdings auf einer um 8 Kilometer verlängerten Radstrecke. Weil der Bodenberg nicht befahren werden konnte, führte die Radstrecke durchs Ruedertal und war damit noch härter.
Im Jahre 2007 lieferten sich die Belgier Koen Maris und Benny Vansteelant an der Spitze ein packendes Duell. Letzterer musste jedoch wegen Magenproblemen 10 Laufkilometer vor dem Ziel aufgeben. Maris siegte danach mit neuem Streckenrekord (6:21:00). Zwei Wochen später verlor die Duathlon-Welt ihr Aushängeschild. Am 8. September 2007 wurde Benny Vansteelant beim Radtraining im belgischen Hooglede von einem Auto angefahren und schwer verletzt. Sechs Tage später starb der neunfache Weltmeister und fünffache Europameister im Krankenhaus von Roeselare an den Folgen des Unfalls.

Auf zu neuen Ufern

Der 20. Powerman-Jubiläumsanlass brachte eine Rennaissance und viele Neuheiten mit sich. Der Name «Run&Bike» erschien wieder. Das OK will fortan auch auf den Breitensport setzen und den Samstag den Themen Gesundheit, Nachwuchs und Wohltätigkeit widmen, während der Sonntag zum grossen Powerman-Renntag wird. Zudem gründete der Deutsche Udo Siebert den Jubilee Club, in dem alle Athletinnen und Athleten aufgenommen werden, die den Powerman Zofingen (Langdistanz) zehnmal beendet haben. Als Lohn winkt ein goldener Pin! Bereits vierzehn Männer und zwei Frauen (die Zürcherin Maja Jacober und die Ungarin Erika Csomor) gehören dem Jubilee Club an. Zuoberst auf der Hitliste steht dabei der mittlerweile 69-jährige Aargauer Willi Erismann, der den Powerman Zofingen bisher immer gefinisht hat, also bereits deren 21 Male!  Zurück zum Powerman-Rennjahr 2008: Bei den Männern gewann erstmals der Schaffhauser Andy Sutz mit einem Vorsprung von über 5 Minuten auf die beiden Franzosen Pascal Schuler und Dominique Duchene. Hervorragender Vierter wurde der Zofinger Stefan Lüscher, der jedoch bereits über 16 Minuten auf Sutz verloren hatte. Die Siegerzeit betrug 6 Stunden 29 Minuten 44 Sekunden und lag damit 8 Minuten und 44 Sekunden über dem Streckenrekord des Belgiers Koen Maris aus dem Jahre 2007.

Powerman Zofingen ist top

Dass das Duathlonrennen in Zofingen sehr populär ist, bewies alleine schon die Tatsache, dass 2009 mehr als 350 Cracks aus 25 verschiedenen Ländern stammend über die Langdistanz an den Start gingen. Die gesamte Teilnehmerzahl am 21. Powerman Zofingen überstieg sogar die 1’000er Marke und hat am der 22. Austragungen bereits knapp 1300 erreicht. Das entspricht den höchsten Teilnehmerzahlen in den letzten neun Jahren. Das englische «220 Magazine» listete den Powerman Zofingen unter den besten fünf Triathlon-Veranstaltungen der Welt auf. So gesehen festigte der Powerman Zofingen seine Vormachtstellung als bekanntester Duathlon auf unserem Erdball.

Die belgische Rakete

Joerie Vansteelant war schnell wie eine Rakete. Er war dabei 9 Minuten und 25 Sekunden schneller im Ziel als jeder Athlet in den Austragungen zuvor. Für die 10 Kilometer Rennen, 150 Kilometer Velofahren und für die nochmaligen 310 Lauf-Kilometer benötigte er 6 Stunden 11 Minuten und 35 Sekunden. Vielleicht war der Belgier ja auch so motiviert, weil das Schweizer Sportfernsehen erstmals live über diese erstklassige Veranstaltung berichtete. Vansteelants härtester Widersacher, der 28-jährige Schaffhauser Andy Sutz, büsste am Ende genau 16 Minuten auf den Überflieger Vansteelant ein. Dieser Vorsprung ist dabei der grösste den ein Sieger je an einem Powerman in Zofingen auf einen Zweitplatzierten herauszuholen vermochte. Es war überdies das erste Mal in Zofingen, dass ein Favorit bei seinem ersten Auftritt auch gleich gewinnen konnte. «Joeri Vansteelant war eine Klasse für sich. Seine Leistung ist unfassbar», sagte Sutz im Ziel. Der Schaffhauser hatte im Jahr zuvor, wie Vansteelant, den Powerman Zofingen als Rookie gewonnen.

Csomor, Königin Zofingens

Erika Csomor lief wie ein Uhrwerk. Die Königin von Zofingen hatte vor ihrem Auftritt in der Thutstadt seit Juli 2009 bereits drei andere Langdistanzrennen bestritten. Mitte Juli war sie beim Ironman Roth in Deutschland an den Start gegangen, hatte am Triathlon Alpe d'Huez (2,2 Kilometer Schwimmen; 115 Kilometer Velofahren mit 3’000 Meter Höhendifferenz und zum Dessert 22 Kilometer Laufen) in den französischen Alpen teilgenommen und glänzte überdies als Finisherin beim Embrunman, einem Ironman mit 4’000 Meter Höhendifferenz auf der Velostrecke. Erstaunlich war, dass die Ungarin bei all diesen Rennen als souveräne Siegerin gefeiert werden konnte. In Zofingen siegte die 35-jährige Budapesterin anno 2009 zum sechsten Mal in Serie, diesmal mit über sechs Minuten Vorsprung auf die Britin Jessica Petersson. «Ich komme im nächsten Jahr wieder», versprach Csomor, die nach ihrem tollen Auftritt in Zofingen ins Trainingslager nach Südkorea einrückte.

Nächste Austragung am 3./4. September 2011

Der 23. Powerman Zofingen geht am 4. September 2011 über die Bühne. Dies erneut mit vielen Stars und etlichen Neuerungen über das ganze Wochenende hinweggesehen. Ein Knüller dürfte auch wieder die Powerman Charity werden, an der jetzt schon wieder viele prominente Teilnehmer ihr Kommen angekündigt haben.