«Duathlon ist für mich eine Herzensangelegenheit»

Ronnie Schildknecht

Seit anfangs Dezember 2016 amtet Ronnie Schildknecht als Chef Leistungssport für Swiss Duathlon, dem aus dem unabhängigen Förderverein Produathlon Suisse hervorgegangenen Teilverband von Swiss Triathlon. Der 37-jährige Zürcher ist sechsfacher Duathlon-Schweizermeister, neunfacher Sieger beim Ironman Switzerland in Zürich und Profi-Triathlet. Schildknecht übernahm das Amt von Simon Luder, der aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten war. «Für mich ist diese Aufgabe eine Herzensangelegenheit, will ich doch dem Duathlonsport nun wieder etwas zurückgeben», so Schildknecht.

Gleich zu Beginn, als Ronnie Schildknecht eine erste Bilanz als Chef Leistungssport Swiss Duathlon zieht, stellt er klar: «Ich bin ein Pragmatiker.» Er sei im Duathlon und im Triathlon auf höchster Ebene aktiv gewesen und wisse, wo die Tücken seien und die Gefahren lauern würden. «Wenn ich nach über 15 Jahren als Profi einfach zurücktreten würde, wäre dies sehr schade.» Deshalb wolle er nun seine Erfahrungen den Athletinnen und Athleten weitergeben. «Ich helfe dabei dort, wo meine Hilfe gebraucht wird.» Das sei vor allem in der Wettkampfvorbereitung, im Training, bei der Ernährung und im mentalen Bereich der Fall. «Ich kann den Nati-Mitgliedern ein detailliertes Wettkampfverpflegungs- Konzept erstellen, weil ich als Athlet diesbezüglich sehr grosse Erfahrung habe», so Schildknecht. «Ich will den Nati-Mitgliedern ein Werkzeug geben, um am Wettkampftag erfolgreich sein zu können.»

Was er leider nicht immer vereinbaren könne, sei an jedem Wettkampf dabei zu sein. Am Intervall Duathlon Zofingen zum Beispiel, war Schildknecht selber am Start und konnte die Athleten an der am gleichen Tag (21. Mai 2017) stattfindenden Duathlon-EM im deutschen St. Wendel nicht vor Ort unterstützen. «Das ist etwas der Nachteil, wenn man selber noch Profiathlet ist. Ich mache aber alles, damit die Athleten topvorbereitet an den Start gehen können.»

Weiterhin aktiv

Schildknecht hat vor der Amtsübernahme klar kommuniziert, dass er weiterhin auch selbst als Athlet aktiv bleibe. «Ich bin immer noch aktiver Triathlet und habe als Profi viele Verpflichtungen.» Das wolle er dann auch noch in den nächsten zwei, drei Jahren bleiben. «Ich möchte beim Ironman Switzerland in Zürich unbedingt meinen zehnten Sieg einfahren und beim Ironman Hawaii noch einmal ein gutes Rennen abliefern, sprich in die Top-6 kommen.» Er müsse aber niemandem mehr etwas beweisen. «Ich habe in meiner bisherigen 15-jährigen Karriere eigentlich alles erreicht, was ich wollte.»

So wurde Schildknecht 2008 auf Hawaii auch schon Vierter. Der 37-jährige Zürcher kommt aber eigentlich vom Duathlon-Sport. «Im Jahre 2002 bestritt ich beim Powerman Zofingen meinen ersten Langstrecken-Event überhaupt und wurde auf Anhieb Sechster. Dies in meinem bis dahin mit Abstand härtesten Rennen.» Zwei Jahre später waren für ihn die Strapazen in der Thutstadt zu gross und er musste das Rennen aufgeben. «Ich komme also vom Duathlon und dieser liegt mir sehr am Herzen. Meine Aufgabe als Chef Leistungssport Swiss Duathlon ist also eine Herzensangelegenheit. So kann ich dem Duathlon nun wieder etwas zurückgeben.»

Siege im Team sind schöner

Mit dem neuen Amt wolle er sich nicht profilieren, sondern er wolle den Athleten etwas weitergeben. «Ich will die Mitglieder der Duathlon-Nati weiterbringen.» Wenn er seine Aktivkarriere in zwei, drei Jahren beende, wolle er nicht gleich eine neue Erfolgskarriere auf anderer Ebene einschlagen. «Ich möchte vielmehr als Coach andere Athleten weiterbringen.» In den letzten 15 Jahren habe er nur darauf geschaut, in den Wettkämpfen seine eigene Top-Leistung zu bringen. «Ich war also egoistisch. Ich weiss, dass ich das brauchte. Wenn man als Einzelkämpfer einen Sieg erringen will, kann man nicht auf andere bauen.» Als Einzelkämpfer sei es superschön, zu gewinnen, doch es gäbe noch etwas Schöneres, nämlich ein Sieg im Team. «Und genau das will ich mit der Schweizer Duathlon-Nati erreichen.»

Den Duathlon-Sport fördern

Schildknecht liegt vor allem die Förderung des Duathlon-Nachwuchs am Herzen. «Die 16-jährige Bernerin Delia Sclabas, die im letzten Jahr in Spanien bei der Duathlon-WM der Junioren Gold gewann, ist ein echtes Versprechen für die Zukunft», so Schildknecht. Sclabas trat dabei in die Fussstapfen von Triathlon-Olympiasiegerin Nicola Spirig, der im Jahre 2000 das gleiche Kunststück gelungen war. «Viele Jugendliche machen Duathlon, wechseln dann aber zum Triathlon oder zum Laufsport.» Es sei für ihn eine grosse Herausforderung, dies in Zukunft zu verhindern.

«Die goldenen Zeiten des Powerman Zofingen müssen zurückkehren», fordert Schildknecht. Früher seien alle Top-Athletinnen und -Athleten an den Powerman Zofingen gekommen. «Heutzutage sind die Top-Athleten alle Profis, die vom Sport leben.» Das Renn-Angebot sei heutzutage sehr gross und die Stars würden dort an den Start gehen, wo es ein Preis- und Startgeld oder eine Gratis-Unterkunft gäbe. «Wenn man die Stars nach Zofingen holt, kommt der Hype zurück», ist sich Schildknecht sicher.

Powerman Zofingen im Mai

«Der Powerman Zofingen geht aktuell jeweils am ersten ganzen September-Wochenende über die Bühne und das ist ganz einfach zu nahe am Datum des Ironman Hawaii vom 8. Oktober.» Gemäss Schildknecht hindert das September-Datum vor allem Top-Triathletinnen und -triathleten daran, am Powerman Zofingen teilzunehmen. «Wäre der Powerman Zofingen etwa aufs zweiten Mai-Wochenende angesetzt, wäre ich selbst in den letzten fünf Jahren mindestens einmal am Start gestanden.» Und wenn dann noch eine Startgage oder ein hohes Preisgeld dazu kommen würde, wären die Top-Stars auch der Triathlon-Szene in Zofingen wieder am Start. «Ich weiss aber natürlich, dass so eine Sache für das OK ein riesiger Zusatzaufwand bedeuten würde», so der Zürcher. «Aber eine solche Investition würde sich meiner Meinung nach lohnen.» Und mit der Zeit würde vielleicht auch ein Top-Star wie der deutsche Triathlet Jan Frodeno in Zofingen am Start stehen. «Dies nicht wegen des Start- oder Preisgeldes wegen, sondern einfach, weil er einen Sieg beim Powerman Zofingen noch in seinem Palmares haben will.»

Das Nati-Kader steht                                              

Für das jetzige Kader der Schweizer Duathlon-Nati hat Schildknecht vier Athletinnen und sechs Athleten nominiert. Bei den Frauen sind dies Nina Brenn, Monique Grossrieder, Melanie Maurer und Petra Eggenschwiler. «Die letzten beiden Athletinnen sind jedoch verletzt und dürften in Zofingen nicht am Start stehen», bedauert Schildknecht, der dafür am 3. September zusätzlich Nina Zoller am Elite-Start haben wird. Bei den Männern gehören Andy Sutz, Marc Widmer, Fabian Zehnder, Rolf Wermelinger, Stephan Wenk und Valentin Fridelance zur Duathlon-Schweizernati. Die letzten beiden Athleten sind jedoch eher auf der Kurzdistanz zu Hause. Weiter sind folgende nicht Natiathleten bei der Elite nominiert für Zofingen: Ueli Bieler, Raphael Lee, Andi Kälin und Daniel Vatter.

«Alle Schweizer Nati-Mitglieder, die in Zofingen an den Start gehen werden, sollten in die Top-Ten kommen können. Ich mache ihnen aber keinen Druck, denn sie wollen dieses Ziel alle selbst auch erreichen.» Alles andere sei «nice to have», meint Schildknecht. «Sie sollen einfach ihr Maximum abrufen.»

Text: Raphael Galliker
Bildlegenden:
Ronnie Schildknecht ist seit gut einem halben Jahr Chef Leistungssport Swiss  Duathlon.

Fotos: zVg